Das Mantra OM

Am Samstag, den 14. September fand in Lundo sowohl eine Yogastunde als auch eine Meditation mit Heinz Grill statt. Während des Yoga wurden 3 Asana praktiziert: uthita eka pada hastasana, eka pada padma pascimottasana und pascimottasana. Heinz Grill erklärte auch die Bedeutung des Wortes Asana (ruhige Position) und wie es ausgesprochen wird, d. h. mit der Betonung des anfänglichen A und sogar mit einem H noch davor. Es waren viele Teilnehmer anwesend, sie kamen aus Deutschland, der Slowakei, Österreich, Schweiz und Italien. Um 18:00 Uhr begann die Meditation und Heinz Grill stellte den Teilnehmern die Meditation dar, wie sie im Neuen Willen Yoga praktiziert wird. Demzufolge ist es grundlegend, von Anfang an eine Unterscheidung zu treffen: es gibt zwei verschiedene Positionen, d.h. es gibt die Person, die meditiert, und außerhalb der Person, das Objekt der Meditation. Es wird in der Dualität begonnen.

Normalerweise wird heutzutage die Meditation nicht mit dieser Trennung begonnen, meist will man sogleich die Einheit, man will eins sein mit dem Objekt der Meditation. Es wäre jedoch notwendig, mit einer klaren Trennung zu beginnen: die Person, die meditiert und das Objekt der Meditation. Auf diese Weise gibt es eine erste Unterscheidung, die Person hat eine Position, die getrennt ist vom Objekt, und damit ist die Voraussetzung für eine Aktivität, eine Beziehungsaufnahme gegeben. Es stehen sich Person und Objekt gegenüber. Heinz Grill fügt hinzu, dass das Objekt für die Meditation am Anfang ausgewählt werden muss und dass jeder der Teilnehmer mit seinem eigenen Bewusstseinsstand meditiert.

Heinz Grill fragt die Teilnehmer: „Was passiert, wenn wir kein Objekt haben und alles dem Zufall überlassen, d.h. wir warten, bis ein rein zufälliges Bild zur Meditation kommt?“

Es fehlt der eigene Wille und sogar eine wirkliche Aktivität, das Objekt wäre zufällig und ohne Kontrolle, es gäbe auch keine eigene Entscheidung zur Wahl des Objekts. Das waren einige der Antworten.

Weiter führt Heinz Grill aus, dass Yoga und jede andere spirituelle Disziplin immer etwas Neues zum Leben hinzufügen sollte, vor allem das Bewusstsein soll erweitert werden, das wäre die wahre Bedeutung der Meditation und nicht nur Entspannung und Ruhe finden, wie es die meisten Menschen heute von diesen Praktiken erwarten.

Das Kind lebt bis zum 7. Lebensjahr ca. in einer Einheit mit seinen Eltern, mit seiner Umgebung. Ab dem 8., 9., 10. Lebensjahr bemerkt es den anderen, das Gegenüber. Es entsteht eine Trennung, die eigene Position und die andere Person als Gegenüber. Durch diese Unterscheidung zwischen Ich und Du, kann Neues zum eigenen hinzukommen und dadurch wird Entwicklung möglich, denn würde man immer in dieser Einheit mit den Eltern bleiben, gäbe es keine Entwicklung. Für die Meditation können wir nicht sofort in eine Einheit eintreten, wir müssen zuerst die Dualität, die Trennung schaffen, indem wir das Objekt, über das wir meditieren wollen, sorgfältig wählen und als Gegenüber positionieren. Auf diese Weise wird eine präzise Bewusstseinstätigkeit angeregt, man schaut das Objekt an, beschreibt es, verschafft sich einen ersten Eindruck und erschafft dieses Objekt als lebendiges Bild in der Meditation. Dadurch kommt es zu weiteren Erkenntnissen, es kommt zu einer Entwicklung und nicht zu einem Zustand von Traum und Entspannung.

Heinz Grill sagt, dass als Meditationsobjekt höherwertige Texte, die nicht zu lang sind und die man noch gut in der Übersicht behalten kann, geeignet sind, oder auch Objekte mit einem spirituellen Inhalt.

Für diese Meditation wählten wir das Mantra OM, das eigentlich aus 3 Buchstaben A U M besteht, denn das O steht für ein zusammengefügtes A und U. Für die Meditation müssen wir ein Bild schaffen und durch diese Vorstellungstätigkeit bleiben wir immer aktiv.

Zur Unterscheidungsbildung haben wir mit dem Mantra OM experimentiert, wir haben das Mantra einfach nur rezitiert, jeder nur für sich selbst, einfach nur aufgesagt. Es wurde festgestellt, dass es keinen großen Wert hatte, weil es nur gemacht wurde ohne wirkliche Aktivität, durch die etwas Neues hinzukommen könnte. Es war eher ein Konsum, ohne eine echte Anforderung an das Bewusstsein.

Als Heinz Grill die Bedeutung des Mantra mit diesen 3 Buchstaben und erklärte, konnten wir uns dadurch eine Vorstellung bilden. AUM, diese Buchstaben sind miteinander verbunden. A ist die kosmische Weite, U eine Bewegung vom Kosmos zur Erde, M die manifestierte Materie, der physische Körper. Das Singen dieses Mantra rekonstruiert die Bewegung vom Kosmos zur Erde, von oben nach unten.

Jetzt können wir uns eine Frage stellen: „Könnte ein Baum ohne Licht, ohne Rhythmus von Tag und Nacht wachsen?“ Wäre ein Wachstum ohne Sonne und Mond möglich? Ohne den Kosmos würde nichts auf der Erde existieren. Sogar Richard Dawkins, ein Biologe, der ein strenger Verfechter der Evolutionstheorie nach Darwin ist und sich als Atheist bezeichnet, sagte, dass das Leben nicht durch die Materie erklärt werden kann, sondern hierzu die Theologie notwendig ist. Heinz Grill fügt hinzu, dass etwas von außen hinzukommen muss.

Das Bild zur Meditation: Von der Weite bis zur Materie, es ist dies ein Prozess des Werdens, das was existiert hat seinen Ursprung im Universum. Das OM (AUM) mit dem A am Anfang beginnt mit einer weiten Ausatmung und endet mit dem M in einer physischen Vibration. Als wir das Mantra mit dieser Vorstellung gemeinsam sangen, war der Klang im Raum ein ganz anderer als bei der ersten Rezitation. Es war nun ein voller, harmonischer Klang.

Heinz Grill erzählt, dass in den Texten der Bhagavad Gita die Verse mit einer rhythmischen Kadenz, mit sehr präzisen Akzenten, in einer kontinuierlichen Schwingung, wie in einem kosmischen Fluss, geschrieben sind. Damals gab es noch die Wahrnehmung, dass der Kosmos in die Materie floss, heute wissen wir, dass der Mond das Wasser beeinflusst, aber das ist zu banal.

Die Bedeutung von OM: Von der Weite bis zur Materie! Das wollen wir denken, aber auch die dazugehörige Bewegung empfinden, d.h. nicht auf intellektuelle Weise denken, sondern auch Gefühle entwickeln.

Bei der Meditation geht es nicht darum, in einen ganz besonderen Zustand einzutreten, sondern einen Prozess zu erschaffen, der zunächst in der Dualität beginnt: die Person, die meditiert und der Inhalt. Dadurch wird es möglich eine Beziehung zu erschaffen, denn das ist die Voraussetzung, sich mit den übergeordneten Welten zu verbinden und letztendlich Einheit zu erfahren. Aber diese Einheitserfahrung kann nur eintreten, wenn wir zu Beginn der Meditation in einer Dualität bleiben. Durch das Bild der Weite, die der Erde nahe kommt, kann diese Einheit langsam entwickelt werden.

Heinz Grill sagt zum Abschluss, dass es für die Meditation günstig ist, einen neutralen Inhalt zu wählen, d.h. nicht einen Verwandten oder Freund, mit dem wir verwickelt sind, sondern vielmehr einen spirituellen Inhalt.

Übersetzt aus dem Italienischen

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