Das Licht im Aussen und das Licht im Inneren

Schon am Nachmittag im Verlaufe eines Yoga-Seminars sprach Heinz Grill über die Fähigkeit, ein Thema zu entwickeln. Der Mensch sollte authentisch sein, denn diese Authentizität ist eigentlich unerlässlich, um nicht oberflächlich zu werden. Mit diesem Thema begann die Meditation in Lundo am Samstag, den 20. Juli. Es wäre sehr wichtig für jeden von uns ein Konzept zu durchdringen, jedes Wort, das wir verwenden, bewusst zu verstehen, und eine Beziehung zu allem, was wir tun, aufzubauen. Wir müssen das Bewusstsein entwickeln und deshalb in das Konzept eindringen.

Heinz Grill erklärt, dass uns heutzutage oft die Dinge sehr unbewusst sind, selbst unsere Reaktionen sind oft unbewusst. Die Werbung zum Beispiel existiert überall. Sie beeinflusst im Unbewussten, so dass wir dann doch irgendwann zu diesem Produkt greifen. Wie viele Begriffe benutzen wir unbewusst und wie viele bewusst? Bilder, Schriften, Fotos, Geräusche. . . . all das sind Einflüsse auf uns, die wir wie ein Getreide beim Mittagessen „verdauen“ müssen. Wir müssen erkennen, dass alles, was wir mit unseren Sinnen berühren, uns tiefgehend beeinflusst. Es gibt Werbeformen, die enorme Schäden verursachen und sowohl den Stoffwechsel als auch das Nervensystem überlasten.

Heinz Grill wies darauf hin, dass sich der Studientag in der Natur, ohne zu viele äußere Einflüsse wie Werbung und mit aktiver Beziehungsgestaltung, regenerierend auswirkte. Nun, wenn die deutschen Teilnehmer auf der Autobahn nach Hause fahren, werden sie viele Dinge sehen, viele Autos, Straßenschilder, sie werden Geräusche hören, etc. und das sind auch Einflüsse, die auf den Menschen einwirken, auch dies oftmals viel zu unbewusst. Zudem müssen wir auch viele unsichtbare Einflüsse „verdauen“, wie beispielsweise die elektromagnetischen Strahlungen.

Was passiert mit dem Menschen bei all dem?

Er schirmt sich ab, erschafft eine Barriere um sich herum, wie eine Hülle, und auf diese Weise kann er nicht sensibel offen sein. Wir können uns nicht aber auch nicht für alles öffnen, aber uns auch nicht von der Welt abschotten, das wäre nicht die richtige Lösung.

Unsere Zeit ist eine regelrechte Herausforderung, das Unbewusste ist oft so viel und, wie bereits erwähnt, überlastet es sogar den Stoffwechsel, und es fehlt die bewusste Aktivität, der Lichtprozess, die sensible Beobachtung mit Unterscheidungen. Wir müssen daher gut wählen, wohin wir unsere Aufmerksamkeit richten und wo wir uns zurückziehen.

Zum Beispiel, gibt es auch in vielen Berufen viel zu viele Regeln, die den Menschen einschränken. Der Beruf des Yogalehrers ist diesbezüglich etwas besser gestellt, denn er hat noch etwas mehr Freiheiten.

Der Lichtprozess beeinflusst den Lichtstoffwechsel, und aufgrund der unbewussten Einflüsse im heutigen Leben wirkt der Lichtstoffwechsel laut Heinz Grill etwas verwirrt und unklar. Er weist darauf hin, dass in diesen Tagen des Seminars, in denen intensiv und bewusst gearbeitet wurde, das Licht sanft, weich und aufnehmend ist, es ist das Licht der Venus, welches Empfindungen fördert.

Um den Lichtstoffwechsel zu aktivieren, ist es auf dem geistigen Schulungsweg sehr wichtig, die Inhalte gut auszuwählen. Das bedeutet zum Beispiel, dass man auch für die Meditation einen Inhalt wählen muss, den man gut „verdauen“ kann, oder anders gesagt, dass er verstanden und integriert werden kann. Auf diese Weise wird die Meditation keine Überlastung darstellen, sondern eine Entwicklung des „Ichs“.

Heinz Grill führt weiterhin aus, dass wir für die Meditation die Idee zu einem Ideal entwickeln müssen: die Dauer der Meditation ist relativ, aber die zu befolgenden Schritte sind sehr wichtig. Wir wollen einen Gedanken so gestalten, dass er zu einer Form wird, wie zum Beispiel bei den Asana (hier ist allgemein die Yogastellung gemeint), wo eine Idee eine konkrete Form annimmt.

Wir haben zwei verschiedene Arten von Licht: das Sonnenlicht, das Licht der Natur, sozusagen das physische Licht aber auch das Licht, das wir als geistiges Licht bezeichnen können. So haben wir das Licht im Außen und ein Licht im Inneren, das vom Menschen geschaffen wird. Weil wir die Fähigkeit haben, Gedanken zu erschaffen, können wir Licht erzeugen und dieses ausstrahlen. Auf diese Weise findet der Lichtprozess statt.

Jetzt kreieren wir diese Vorstellung für drei Minuten: „Es gibt Licht im Außen und wir haben die Fähigkeit, Gedanken zu einem Ideal zu entwickeln. Es gibt natürliches Sonnenlicht und in uns einen Licht schaffenden Prozess, der durch das Formen von Gedanken entsteht.“

Es gibt uns und es gibt die Natur, beide haben mit dem Licht zu tun, mit dem äußerem und dem innerem, es gibt zwei Lichtquellen, zwei aktive Prozesse. Wir können folgende Theorie formulieren: Das äußere Licht ist wie die Göttin der Natur und des Kosmos.

Wie nennt man die Person, die Licht ausstrahlt?

Im Licht liegt die Erkenntnis. Auch Christus sagte: „Ihr seid das Licht der Welt“, aber in der Kirche ist dies nicht so, nur die Priester sind die Vertreter der Spiritualität. Wir können Gott nicht eliminieren, Gott ist in jedem Menschen gegenwärtig.

Heinz Grill fragt die Anwesenden: Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Prozessen, dem Licht der Natur und dem Licht des Menschen? Beide sind aktive Prozesse, aber beeinflusst nun der Mensch das Licht oder das Licht den Menschen?

Vor der Beantwortung dieser Frage, muss eine Betrachtung der Frage selbst geschehen und nicht sofort nach der Antwort suchen.

Wie ist das Verhältnis zwischen den beiden Lichtquellen, dem natürlichen Licht und dem menschlichen Licht?“

Heinz Grill sagt, es ist eine gute Übung, etwas zu beobachten, worauf wir nicht sofort eine Antwort finden können. Langsam können wir diese Gedanken denken, denn eine sofortige Lösung zu haben, wäre auf einem spirituellen Entwicklungsweg nicht ausreichend.

Was ist am Anfang, der Mensch mit seinem Gedanken oder die Sonne mit ihrem Licht?

Wie gesagt, ist es nicht sinnvoll, wenn uns Heinz Grill nun sogleich eine Antwort gebe, denn wir müssen mit dieser Frage arbeiten, die Auswirkungen auf den Kosmos und auf das Objekt verstehen, denn nur so findet individuelle Bewusstseinsentwicklung statt. Auch wenn wir selbst eine Idee haben, muss diese Idee zu einem Ideal werden; es ist also ein Entwicklungsprozess, den jeder einzeln leisten muss und der nicht in Gruppen stattfinden kann.

Nun stellen wir uns vor, wie wir mit unseren Sinnesorganen, den Augen, ein Objekt betrachten, also auf eine objektive Weise, ohne Projektionen,. Es könnte eine Pflanze sein, ein Berg …

Oft wird das Objekt mit unseren Sinnen ergriffen. In der Antike zog man sich aus diesem Grund die eigenen Sinne zurück. Im Yoga wurde diese Praxis der Rückzug der Sinne Pratyahara (Sanskrit-Sprache) genannt.

In der von Heinz Grill vorgeschlagenen Vorgehensweise bleiben stattdessen unsere Sinne offen und das Objekt frei. Wir bewegen uns auf das Objekt zu, lassen es aber vollkommen frei. Wir öffnen unsere Sinne, wir schaffen eine Beziehung zum Objekt, ohne es aber zu ergreifen, stattdessen nehmen unseren Willen heraus aus den Sinnen. Diese Disziplin wäre sehr wichtige erlernen: beobachten, eine Beziehung aufbauen, aber ohne zu ergreifen.

Heinz Grill sagt, dass das alleinige Klagen über die Probleme oder die Situation, in der wir uns heute befinden, zu nichts führt, jedoch wir sind es selbst, die Verbesserungen vornehmen können, indem wir die Dinge objektiv beobachten und dann Ideale entwickeln.

Heinz Grill erinnert sich an einen Lehrer aus seiner frühen Schulzeit. Dieser Lehrer sagte nichts, es genügte nur ein Blick von ihm und das rüpelhafte Benehmen unter den Klassenkameraden hörte auf und fing auch nicht wieder an.

Heute müssen wir lernen, verschiedene Situationen zu beobachten, ohne sofort zu reagieren, was nicht bedeutet, die Augen zu schließen, sondern andere Möglichkeiten für das Leben zu schaffen. Auch eine Frage kann uns bei der Beobachtung begleiten, es wird aber nicht das Objekt ergriffen, und wenn wir auf diese Weise vorgehen, werden wir auch die Antwort finden.

Wenn wir in Gedanken, in der Vorstellung bleiben und den Willen zurückziehen, welche Auswirkungen hat diese Aktivität auf das Objekt, auf die Person selbst und auf das äußere Licht?

Heinz Grill schlägt vor, bei diesen Fragen bis zur nächsten Meditation zu bleiben.

Übersetzt aus dem Italienischen

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